Kuh-Projekt

Zugtiere, Lasttiere, Arbeitstiere

Es liegt in der Natur von Herdentieren, daß sie gut und weit wandern können. 20 oder 25 km an einem Tag sind kein Problem für Rinder. Biertransport mit Kuhgespann Copyright Günther LöfflerDie Füße und Klauen der Kühe sind also an lange Märsche gut angepasst. Obendrein sind Kühe sehr stark und so lag es nahe sie auch zur Arbeit einzuspannen. Sie sind beim Gehen nicht so schnell wie Pferde, können aber genauso viel ziehen. Der langsamere Gang der Kühe ist besonders dann angenehmer, wenn man selbst hinterher laufen muss. Doch wie konnte das Ziehen der Zugtiere für verschiedene Arbeiten genutzt werden, noch bevor das Rad erfunden wurde?

Die Entwicklung des Pfluges

"Stöcke zu Pflugscharen"Viele Jahrtausende lang erprobten und verbesserten Menschen überall auf der Welt Methoden der Arbeit mit Zugtieren. Vor allem entwickelten sie Geräte zur Feldarbeit, die durch Zugkraft zu bedienen waren und nicht wie bei der Handarbeit mit Kraft "von oben". Stoppelbearbeitung mit Kühen Copyright Günther LöfflerAus Hacken wurden im Lauf der Zeit einfache Pflüge und schließlich ausgeklügelte Pflugschare. Somit konnte die schwerste Arbeit der Ackerbauern stark vereinfacht werden. Das Pflügen war erfunden. Diese Agrartechnik ermöglichte, dass die Äcker, die ein einzelner Mensch bestellen konnte, immer größer wurden. Kuhgespann beim Pflügen Copyright Günther LöfflerObendrein steigerte das Pflügen die Produktivität der Landwirtschaft, auch schon ohne Dieseltreibstoff. Auch andere Geräte zur Feldarbeit wie Eggen wurden aus Handhacken entwickelt, ebenfalls zum Ziehen durch Arbeitstiere.

Breitere und damit schlagkräftigere Bodenbearbeitungsgeräte zog ein Gespann, also zwei Tiere zusammen. Kastrierte Stiere - die Ochsen - sind sehr friedlich und noch stärker als Kühe. Sie waren und sind, besonders als Ochsengespanne, zur Zugarbeit und zum Pflügen sehr beliebt. Kühe zur Feldarbeit Copyright Günther LöfflerÄrmere Bauern konnten sich deren Haltung (quasi den Besitz eines Zweitwagens) jedoch gar nicht leisten. Zu unverzichtbar war die Milch von meist nur ein bis zwei Kühen zur eigenen Ernährung. Die geduldigen und friedlichen Kühe und Ochsen wurden von Kleinbauern auch zum Mahlen von Getreide gebraucht. Dabei liefen sie immer brav im Kreis herum, bis zwischen den Mühlsteinen, von denen sie den einen drehten, aus ganzem Korn schließlich Mehl geworden war.


Lastkraft und Transportwesen auf Hufen

"Schwerlasttransport" Copyright Marianne BestRinder auf der ganzen Welt trugen und zogen jahrtausendelang praktisch Alles und Jeden. Sie waren universelle Arbeitstiere. Nach der Erfindung des Rades verbesserte sich die Effektivität der Zugtiere. Sie zogen nun Wagen, zunächst mit Kutschenrädern, später mit Reifen. Bis heute sind Kuh- und Ochsengespanne auf Straßen zwischen LKWs oder auf unbefestigten Wegen im Einsatz.


Viehtransporte

Personentransport Copyright Marianne BestÜbrigens transportierten sich Rinder vor allem auch selbst, auf ihren eigenen Hufen, wie wir dank der Westernfilme mit Cowboys wissen. Kühe können, nebenbei bemerkt, erstaunlich schnell und ausdauernd rennen, auch bergauf. Viehtransporte auf Hufen fanden im Mittelalter auch auf europäischen Handelswegen über lange Strecken statt. Doch Kühe transportieren sich noch immer selbst - von Weide zu Weide oder auf die Alm und wieder herunter.